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Deutsche Oper: eine Aida, die keine ist

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Kurios: An der Deutschen Oper in Berlin wird ein Stück aufgeführt, zu dem zwar die Musik von Aida gespielt wird, das aber sonst kaum etwas mit Aida zu tun hat. 

Das Drama beginnt 45 Minuten bevor sich der Vorhang hebt. Die Dramaturgin Dorothea Hartmann stellt das Stück vor und erklärt, was sie und Regisseur Benedikt von Peter sich dabei gedacht haben. Wenn ich es richtig verstehe, haben sie versucht, das Wesen von Giuseppe Verdis Aida herauszuarbeiten und ein maßgeschneidertes Konzept für die Inszenierung zu finden. Keinesfalls, so Dorothea Hartmann, habe der Regisseur versucht, einfach eine Idee über das Stück zu stülpen. Soweit, so gut.

Aida an der Deutschen Oper

Als ich die Inszenierung dann erlebe, bin ich erstaunt. Denn genau das Gegenteil ist der Fall: Die Inszenierungsidee ist absolut beliebig und keinesfalls einzigartig für Aida. Die Idee beschreibt die Deutsche Oper so: „In Benedikt von Peters Inszenierung von AIDA wird u. a. der Zuschauerraum bespielt, das heißt, Mitwirkende – Solisten, Chor und Orchester – sind teilweise im Besucherbereich platziert.“ Praktisch heißt das: Die Musik kommt nicht nur von vorne, sondern auch von hinten und von den Seiten. Prima, aber das ist ja nichts Neues. Das Publikum einzubeziehen ist ein alter Hut. Aber kein Problem, kann man ja machen. Warum nicht, ist doch ganz interessant.

Wirklich seltsam wird es bei der Aufführung selbst. Benedikt von Peter zeigt eine Inszenierung, die Lichtjahre entfernt ist von Aida. Eigentlich geht es hier ja um eine Geschichte, die in Ägypten zur Zeit der Pharaonen spielt. Aida, eine Königstochter aus Äthiopien, wird als Geisel nach Ägypten verschleppt. Der Heerführer Radames schwärmt für sie, aber Aida ist unerreichbar für ihn. Nun wird es kompliziert: Amneris, die Tochter des Pharao, liebt Radames, bekommt aber von ihm die kalte Schulter gezeigt.

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Aida an der Deutschen Oper in Berlin

Benedikt von Peter: Küchentisch statt Ägypten

Benedikt von Peter verlegt die Geschichte vom alten Ägypten an den Küchentisch im Hier und Jetzt. Die Bühne von Katrin Wittig ist mehr starre Videoinstallation als lebendige Plattform, auf der eine Geschichte erzählt werden würde. Amneris schmiert Radames Butterbrote, bastelt sich einen Hut bzw. eine Krone aus einer Zeitung und stolziert fortan mit dem Zeitungshut herum.

Überhaupt die Zeitung: Auf eine große Leinwand werden Bilder geworfen, die aus einer deutschen Zeitung stammen und Kriegsszenen zeigen. Deutsche Zeitung und italienischer Gesang sind nur die kleinste Irritation an diesem Abend. Ein Schülertheater hat ein besseres Bühnenbild und eine reichhaltigere Ausstattung als das, was die Deutsche Oper seinem Publikum hier vorsetzt.

Die Sehnsucht als „modern“ und „radikal“ zu gelten

Insgesamt scheint Benedikt von Peter alles zu tun, um einen möglichst weiten Bogen um Ägypten machen zu können. Ist das die Angst, bloss nicht als traditionell wahrgenommen zu werden? Ist das der Wunsch, als möglichst „modern“, „unkonventionell“, „mutig“, „kreativ“ und „radikal“ zu gelten? Das Versprechen, die Inszenierung sei aus dem Inhalt abgeleitet, ist jedenfalls nicht nachvollziehbar. Kein Wunder, dass die Presse die Inszenierung nach der Premiere am 22. November 2015 so deutlich kritisiert hat. Schade nur, dass das offenbar niemanden von den Verantwortlichen zu stören scheint. Das Berliner Motto „Mir doch egal“ scheint sich nun auch in der Deutschen Oper etabliert zu haben.

Nach der Pause sind wir erlöst und gehen. Fazit: Großartige Musik, erstklassige Orchesterleistung, aber eine Inszenierung, die als Trauerspiel in Erinnerung bleiben wird. Es ist ein bisschen so, als würde man Verdi hören, aber Brecht sehen. Beides passt einfach nicht zusammen. Fotos darf man während der Aufführung nicht machen. Das ist auch besser so.

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