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Belvedere: Potsdams schönste Aussicht

Belvedere Pfingstberg

Die gusseiserne Treppe, die nach oben auf den Belvedere-Westturm führt, hat eine Ampel. Wenn das Licht mit dem Pfeil nach unten rot leuchtet, muss man unten warten. Wenn der Pfeil nach oben grün aufleuchtet, kann man den Aufstieg wagen. Tatsächlich ist die Treppe so schmal, dass nur eine einzige Person darauf hinaufsteigen kann. Und diese Person sollte schlank sein, sonst wird es schwierig. Als ich nach oben steige, ist mir etwas mulmig, denn die Treppe ist nicht nur schmal, sondern sieht auch noch ziemlich filigran aus. Wenn das mal gut geht! Nach einigen bangen Sekunden stehe ich oben auf dem begehbaren Dach des Turms, 100 Meter hoch über dem Pfingstberg.

Belvedere Pfingstberg

Belvedere auf dem Pfingstberg: Wer auf dem Westturm will, muss hier hinauf. Eine Ampel regelt das auf und ab.

Belvedere auf dem Pfingstberg

Das Schloss, auf dem ich stehe, heißt „Belvedere“, vom italienischen „bel vedere“, „schöne Aussicht“. Diesem Namen macht es alle Ehre, denn die Aussicht ist wunderbar und gilt als die schönste Aussicht Potsdams. Man hat einen weiten Blick über Potsdam und die grüne Landschaft. Sogar bis nach Berlin hinein kann man sehen. Unter mir liegen still und friedlich die Havelseen, auf denen sich vereinzelt Boote bewegen. Der Wind pfeift mir um die Ohren. Während ein Ehepaar sich streitet, welche Sehenswürdigkeit ins welcher Richtung liegt, gibt eine Info-Tafel am Geländer Auskunft, wie es wirklich ist.

Belvedere Pfingstberg

Belvedere auf dem Pfingstberg: der Name „schöne Aussicht“ ist Programm.

Belvedere: inspiriert von einer Italienreise

Der romantischen und künstlerischen Adler Friedrich Wilhelm IV. ist es zu verdanken, dass wir heute diese schöne Aussicht auf dem Belvedere in Potsdam genießen können. Das Belvedere auf dem Pfingstberg gehört zum Ensemble Potsdamer Schlösser und Gärten und befindet sich nördlich des Neuen Gartens. Es wurde von 1847 bis 1863 nach Plänen gebaut, die auf den König selbst zurückgehen. Dabei ließ sich Friedrich Wilhelm IV. von seiner ersten Italienreise inspirieren. Als 33-Jähriger hatte er eine italienische Villa aus der Renaissance-Zeit besucht, die Villa Caprarola nördlich von Rom. Der König kopierte das Casino der Villa und zeichnete im Hintergrund noch eine Doppelturmanlage ein, die schließlich auch gebaut wurde.

Gestaltet ist das Belvedere im Stil eines romantisch-klassizistischen Aussichtsschlosses – mit Kolonnaden, Arkaden, Galerien und eben den beiden Aussichtstürmen. Die Türme umschließen mit der Freitreppe und den seitlichen Kolonaden einen großen Innenhof, in dem sich ein umfangreiches Wasserbecken befindet. Das Becken dient als Hochbehälter für die Wasserspiele im Neuen Garten. Die doppelläufige Freitreppe führt zu den Kolonaden, über die man die beiden Türme erreicht. Hier kann man das Maurische und das Römische Kabinett bewundern. Beide Räume sind reich verziert. Zum Beispiel mit vergoldeten Fliesen an den Wänden und geflügelten Löwen.

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Belvedere erstrahlt im alten Glanz

Der Eindruck der Anlage ist opulent und prachtvoll. Dabei hatte König Wilhelm IV. noch weit größere Pläne für das Gelände gehabt. Doch als er nach einigen Schlaganfällen die Krone 1858 an seinen Bruder Wilhelm I. übergab, führte dieser den Bau des Belvedere schnell und pragmatisch zu einem zügigen Ende. Die übrigen Pläne wurden im Wesentlichen begraben.

Kaum fertig gestellt, begann auch schon der Verfall. Feuchtigkeit und Schimmel machten Belvedere zu schaffen. Als 1961 die Berliner Mauer hochgezogen wurde, wurde das Belvedere gesperrt, weil man von dort die Grenzanlagen beobachten konnte. 1987 formierte sich eine Gruppe Potsdamer, die das inzwischen baufällige Gebäude restaurieren wollte. Inzwischen ist daraus der „Förderverein Pfingstberg e. V.“ geworden. Dank großzügiger Spenden erstrahlt das Belvedere in Potsdam heute wieder in altem Glanz. Schön: Sogar eine Ampel für die Treppe kann man sich leisten.

Belvedere Pfingstberg

Hier liegt Schloss Belvedere.

Öffnungszeiten
Belvedere, Ausstellung zur Geschichte des Pfingstbergs und Audioguides
April bis Oktober, täglich 10 – 18 Uhr
März und November, Sa und So 10 – 16 Uhr

Anfahrt
Tram 92 oder 96 bis Haltestelle „Puschkinallee”
Bus 638 bis Haltestelle „ Potsdam , Am Pfingstberg”
Parkplätze am Volkspark Potsdam

Eintrittspreise, Tickets
Erwachsene: 4,50 €
Kinder/Jugendliche: 2,00 €
Kinder unter 6 Jahren: frei
Familienkarte: 12 € (2 Erwachsene, bis zu 3 Kinder)

Mehr Informationenhttp://www.pfingstberg.de/

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