Hamburg, Hotelbewertungen
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Eine Nacht auf dem Dach der Elbphilharmonie

Elbphilharmonie

Wie man auf dem Dach der Elbphilharmonie übernachten kann? Man bucht ein Zimmer im Hotel „The Westin“, das sich im selben Gebäude befindet. Ein Erfahrungsbericht von Hamburgs spektakulärem Wahrzeichen. Und von den Problemen, vor denen man als Hotelgast steht.

Wow! Was ist das denn? Ein moderner Palast? Eine Kathedrale aus der Zukunft? Oder tatsächlich ein Konzertsaal? Die Elbphilharmonie, das wird einem schnell klar, ist vieles auf einmal. Für mich zunächst einmal ein Hotel, denn ich habe eine Nacht im „The Westin“ gebucht, das im selben Gebäude liegt.

Der Eingang ist unscheinbar und wirkt fast wie versteckt. Links neben dem Besuchereingang zur Elbphilharmonie geht es ins „The Westin“ hinein. An der Rezeption warten bereits einige Gäste, alle aus dem Ausland, soweit man das der Sprache nach sagen kann. Der Rezeptionist ist gerade einem Ehepaar mit den Koffern behilflich. Als ich an der Reihe bin, eröffnet mir der Mann freundlich, dass ich nicht bei ihm einchecken kann, sondern in die „Hauptrezeption“ im 8. Stock muss. Ein Aufzug bringt mich nach oben. Seltsam: Laut Aufzugbeschriftung befindet sich der Haupteingang unten, aber die Hauptrezeption im 8. Stock. Wem fällt denn sowas ein? Etwa Tassilo Bost, dem Designer des Hotels? Oder Dagmar Zechmann, der Hoteldirektorin, die gerade nicht nur klassische Musik, sondern auch viel Kritik zu hören bekommt?

Elbphilharmonie

Hamburgs neues Wahrzeichen: die Elbphilharmonie.

Elbphilharmonie mit Hotel „The Westin“

Als sich die Aufzugtüren öffnen, geht mein Blick in die Tiefe des Raums und bleibt weit hinten an den zwei Empfangstresen aus hellem Holz hängen. Die Hotellobby ist niedrig und in hellen, cremefarbenen Tönen gehalten. Weiße Decke, weiße Säulen, weiße Lampen und schwarze Sitzmöbel. Das Design soll dezent, schlicht, puristisch und zurückhaltend wirken. Wenn man ehrlich ist, kann es aber auch als einfallslos beschreiben. Es erinnert mich ein bisschen an das aufgeräumte Design von „Mein Schiff“ und an die Mehrzweckhalle, in der ich früher Tischtennis gespielt habe. Absolut in Ordnung, aber nichts Besonderes.

So spektakulär das Designer der Elbphilharmonie ist, so banal präsentiert sich „The Westin“ von innen. Tassilo Bost erklärt, er habe sich von den wichtigsten Elementen des Hafens inspirieren lassen: „Wasser, Luft und Wind, Erde und Sand“. Was das Ganze mit Musik und dem mutigen, innovativen Design der Elbphilharmonie zu tun hat, erschließt sich mir leider nicht.

Elbphilharmonie The Westin Hotel Hamburg - 1

Die Lobby vom Hotel „The Westin“ in Hamburg.

An der Hauptrezeption vom „The Westin“ Hamburg

Rechts von der Hauptrezeption befindet sich ein gläserner Durchgang, durch den man zu den Konzertsälen der Elbphilharmonie gelangt. Dazu benötige ich erst meine Zimmerkarte. Die bekomme ich an der Hauptrezeption. Eine junge Dame begrüßt mich freundlich und gibt mir den Schlüssel zu einem Classic Elbphilharmonie Zimmer. Das ist ein Zimmer, in dem man auf das „Herz“ der Elbphilharmonie sehen kann. „Herz“ ist ein schöneres Wort für „Dach“ und wird von Marketing des Hotels verwendet. Bei den Zimmern muss man aufpassen, denn das Hotel wirbt vor allem mit der Aussicht auf die Stadt.

Selbst einige sonst so zuverlässige Medien wie das Hamburger Abendblatt haben offenbar noch nicht mitbekommen, dass manche Zimmer keinen Ausblick auf Hamburg haben, sondern auf das „Herz“. So heißt es etwa im Sondermagazin des Hamburger Abendblatts zur Elbphilharmonie:

„Der Blick aus den bodentiefen Fenstern der 205 Zimmer und 39 Suiten auf den Hafen und die Stadt ist faszinierend“. Weiter lese ich: „Wer sich im The Westin einquartiert, der wohnt mindestens 40 Meter über der Elbe. Vom Bett aus können die Gäste die Gardinen automatisch öffnen und am Morgen mit Weitblick über Hamburg in den Tag starten.“

Mein Zimmer im 16. Stock hat jedoch keinen Ausblick auf den Hamburger Hafen, sondern eben einen Ausblick aufs Dach – pardon, aufs Herz. Warum auch nicht. Für den Ausblick gibt es ja die Besucherplattform im 8. Stock. Wollen wir uns das Herz der Elbphilharmonie doch mal ansehen! Ich bin gespannt.

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Das Zimmer könnte auch in Düsseldorf sein.

„Bestaunen Sie durch die ganzseitige Glaswand den konischen Lichthof mit seiner verspiegelten Fassade und den faszinierenden Lichtreflexen“, preist das Hotel seine Classic Elbphilharmonie Zimmer an. Ich stehe am Fenster und schaue hinaus aufs Herz. Nach einigen Minuten denke ich mir: Okay, der Blick aufs Dach ist künstlerisch zwar wertvoll und für ein paar Minuten interessant, mehr aber auch nicht. Etwas Abwechslung wäre schön.

Das Zimmer selbst ist in Ordnung. Aber: Nichts, rein gar nichts, schlägt eine Brücke zum Thema Musik. Das Design des „The Westin“ ist so neutral wie die Schweiz. Warum nur? Ich überlege, aber erklären kann ich mir das nicht. Es ist ein Rätsel. Die Elbphilharmonie ist ein großer architektonischer Wurf, der auf der ganzen Welt gefeiert wird. Mutig. Wegweisend. Bahnbrechend. Warum nimmt man den Ball nicht auf? Das Interessanteste am Hotelzimmer ist der Blick nach draußen aufs Dach. Ansonsten könnte sich das Zimmer auch irgendwo in Düsseldorf oder München befinden.

Auf der Aussichtsplattform der Elbphilharmonie

Ich fahre zurück in den 8. Stock. In der Hotellobby hat inzwischen ein violett-farbiges Licht Einzug gehalten. Mit meiner Chipkarte verschaffe ich mir Zugang zur Aussichtsplattform, die in 40 Metern Höhe um die Elbphilharmonie herumführt. Von hier aus geht es über breite, geschwungene Treppen zum Großen und zum Kleinen Saal der Elphi. Ich durchschreite hohe, großzügige Räume mit schrägen Säulen und Rundungen statt Ecken. Über mir hängen Lichter-Gruppen, die von Ihrer Anordnung her an römische Kohorten erinnern. Großartig hier! Und dabei habe ich noch nicht mal den Ausblick bewundert.

Der Zugang zur Aussichtsplattform ist etwas versteckt. Plötzlich stehe ich draußen. Eine steife Brise weht mir um die Nase. Perfektes Timing: Ich komme gerade rechtzeitig, um den Sonnenuntergang betrachten zu können. Langsam versinkt die Sonne am Horizont und taucht den Hafen oranges und goldenes Licht. Die Schiffe wiegen langsam hin und her. Wenn man eine der Suiten bucht, kann man die Skyline Hamburgs sogar aus einer Höhe von 90 Metern bewundern.

Elbphilharmonie The Westin Hotel Hamburg - 1 (13)

Sonnenuntergang, gesehen von der Besucherplattform der Elbphilharmonie.

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866 Millionen Euro-Projekt

Etwa 20 bis 30 Besucher sind aus der Plattform gerade unterwegs, die auf dem Kaiserspeicher A ruht, einem wuchtigen Sockelbau, der die Basis der Elbphilharmonie bildet. Es ist massig Platz da, denn die Elphi ist so groß, dass sich die Besucherzahl gut verteilt.

Wunderschön hier. Vergessen sind die horrenden Kosten von 866 Millionen Euro, die Koordinationsfehler zwischen der Baufirma Hochtief und den Basler Architekten von Herzog & de Meuron und die Fehler des Planungsstabs um den damaligen Ersten Bürgermeister Hamburgs, Ole von Beust. Was jetzt zählt ist der Augenblick. Und der ist super. Hamburg, das ist ein Universum an Möglichkeiten, das sich immer wieder neu erfindet. In der Glasfront der Elphi spiegelt sich die Speicherstadt. Während Stuttgart mit seinem Bahnhofprojekt Stuttgart 21 ringt und Berlin sich mit seinem Flughafen lächerlich macht, hat es Hamburg inzwischen geschafft. Gut gelaufen ist es nicht, aber das neue Wahrzeichen steht.

Wie ist die Klangqualität?

Architektonisch ist die Elbphilharmonie überaus gelungen, akustisch aber offenbar weniger. Das Eröffnungskonzert geriet für viele Zuhörer zum Fiasko. Manuel Brug etwa erklärte in der Welt:

„Ich hätte so gern gelobt. (…)Aber besser klingen müsste es. Weltklasse geht einfach anders. Ich weiß nicht, wie es frontal und oben ist, aber auf halber Höhe und hinten geht es gar nicht. Ich bin enttäuscht. Und total traurig.“

Das überregionale Presseecho war nach dem Eröffnungskonzert überwiegend negativ gestimmt. Mit Pauken und Trompeten durchgefallen. Klar: Jammern auf hohem Niveau. Aber für so viel Steuergeld kann man auch etwas Außerordentliches erwarten. Kommen nun neue Segel, neue Klangreflektoren, um kritische Stimmen zu besänftigen? Wohl kaum. Im Elbphilharmonie Magazin jedenfalls hat man eine völlig andere Sicht auf die Klangqualität.

Als zum ersten Mal ein Orchester im Großen Saal der Elbphilharmonie aufspielt, heißt es im Magazin:

„Die Musiker setzen ihr Instrumente an, die Zuhörer halten den Atem an. Dann gibt Hengelbrock den Einsatz – und die Elbphilharmonie erwacht zum Leben. Schon während der langsamen Einleitung, die vom unbeirrbaren Puls der Pauke gezogen wird wie von einer unsichtbaren Schnur, weicht die Nervosität. Blicke werden ausgetauscht wie optische Kurznachrichten, Falten glätten sich, Mundwinkel ziehen sich nach oben. Es klingt großartig. Satt. Voll. Trotzdem differenziert. Mühelos füllt das Orchester den Raum, ohne dass ein Klangbrei entstünde, deutlich lassen sich die einzelnen Instrumente heraushören: hier die Flöte, da die Geige, dort die Kontrabässe.“

Bewertungen wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Am Ende muss sich wohl jeder selbst ein Bild machen und auf sein eigenes Herz hören.

Das „The Westin“ Hotel Hamburg in der Kritik

Um das Cafe mache ich einen großen Bogen, denn es wird teilweise bemerkenswert kritisch besprochen. Dem Hotel ergeht es gerade nicht besser. Zuletzt hatte ein Kritiker des Feinschmecker Magazins das Hotel besucht und eine nicht gerade schmeichelhafte Bilanz gezogen. „Im Grunde“, so berichtete der Tester des Feinschmeckers, „begann der Ärger schon bei der Anreise. Weil der Taxifahrer die ebenso versteckte wie schlecht beschilderte Vorfahrt zum ‚The Westin‘ offenkundig noch nicht kannte stand ich einsam und verlassen neben meinem Gepäck auf dem schwarz gepflasterten Vorplatz unter dem hoch aufragenden Backsteinbau zwischen den Menschenmassen im pfeifenden Wind und fand den Hoteleingang nicht.“

Enttäuscht äußert sich der Autor etwa über den „staubüberzogenen“ Flachbildfernseher“, „heftig verschmierte“ Weingläser, fehlende Seife und Teeränder an den Tassen. Weiter schreibt er:

„Die einzige Möglichkeit, nach dem Check-in innerhalb des Hotels einen Bissen zu sich zu nehmen, bestand aus einer dank Laufkundschaft völlig überfüllten gastronomischen Agglomeration namens ‚Bridge-Bar & Plaza Foyer‘, deren abgefressene Kuchentheke und angetrocknete Konferenzkekse zum Kaffee aus dem Vollautomaten  knapp Mitropa-Niveau erreichten.“

Versöhnlich stimmt ihn am Ende jedoch, dass der Concierge ihm eine Karte für ein Rossini-Konzert mit Cecilia Bartoli im Großen Saal der Elbphilharmonie besorgen kann.

Ein kaltes Zimmer im „The Westin“ Hamburg

Als die Dunkelheit nach der Elphi greift, ziehe ich mich in mein Zimmer zurück. Es ist kühl. Nicht ein bisschen kühl, sondern richtig kühl. Der Temperaturregler erweist sich als wertlos. Klar, ich könnte die Rezeption anrufen. Aber ich bin zu müde, ich möchte nur noch eines: schlafen. Als ich schon im Halbschlaf bin, denke ich mir, dass ich rein gar nichts davon merke, dass ich auf dem Dach der Elbphilharmonie bin. Vor dem Fenster zum „Herz“ befindet sich nun ein Vorhang. Man sieht und hört nichts. Fühlen tue ich auch wenig, außer Müdigkeit. Also zittere ich mich in den Schlaf.

Als ich am nächsten Morgen der freundlichen Dame an der Rezeption sage, dass mein Zimmer zu kalt war, sagt sie nur „Oh“. Nichts weiter. Nur „Oh“. Ein bisschen wenig für ein Hotel dieser Kategorie. Gut zu wissen: Die Elbphilharmonie gehört der Stadt. Als Verpächter hat Hamburg auch das unternehmerische Risiko für das Hotel (mitsamt Interieur) übernommen. Im Klartext: Das Hotel wurde mit Steuergeldern finanziert. Auf rund 130 Millionen Euro beziffert die Kulturbehörde Hamburgs die Kosten für den Bau von Hotel und Restaurant. Die Hotelkette hat die Räume für 20 Jahre gepachtet. Und ruht sich nun offenbar auf der Strahlkraft der Elbphilharmonie aus.

„Gäste üben harte Kritik an Elbphilharmonie Hotel“, schrieb das Hamburger Abendblatt vor wenigen Wochen. „Das Westin in Hamburgs neuem Wahrzeichen erhält viele schlechte Bewertungen und verzichtet auf die Sterneklassifizierung.“ Na so eine Überraschung.

Das Saffron ist ein Affront

Das Frühstück im „The Saffron“ im 7. Stock erweist sich als äußerst umfangreich. Toll sieht das aus! Es gibt alles, was das Herz begehrt. Leider ist die Qualität – man kann es nicht anders sagen – bescheiden. Die Temperatur meines Rühreis erinnert mich an mein kaltes Zimmer. Das Franzbrötchen verdient diese Bezeichnung nicht. Und das ausgerechnet in Hamburg, wo diese Köstlichkeit doch sonst immer so hervorragend schmeckt. Kurzum: Das Saffron ist ein Affront. Allein der Kaffee ist ausgezeichnet.

Als ich das Hotel hinter mir lasse, bin ich froh. Fazit: Die Elbphilharmonie ist super, das Hotel leider nicht. Drei Tage später bekomme ich überraschend ein Souvenir vom „The Westin“: eine Erkältung. Beinahe zynisch wirkt da die Philosophie der Westin Gruppe, die da heißt: „For a Better you“. A better you mit Erkältung? Na, recht vielen Dank.

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