Florenz, Italien, WOWPLACES
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Mission Impossible: die Uffizien

Uffizien

Die Uffizien in Florenz zählen zu den bekanntesten Kunstmuseen der Welt. Rund zwei Millionen Besucher drängen sich an Werken von Leonardo da Vinci, Giotto, Botticelli oder Caravaggio vorbei. Das Problem: Die Besucher kommen oft nur einmal – und niemals wieder. Das Genie der Künstler, das Besondere ihrer Werke geht in der Masse unter. Die Besucher sehen alles, aber nichts richtig. Das soll anders werden. Vor einigen Monaten hat die italienische Regierung in Rom ausgerechnet einen Deutschen zum Direktor der Uffizien berufen.

Der Besuch der Uffizien beginnt mit einer Überraschung: Die Schlange der Besucher ist erstaunlich kurz. Gerademal eine Handvoll Leute steht am Eingang an. So ein Schlängelchen hätten wir fast in Kauf nehmen können. Haben wir aber nicht. Wir haben vorab online Tickets reserviert. Jetzt müssen wir sie im Biglietteria Prenotati abholen, am Reservierungs-Schalter. Er befindet sich schräg gegenüber vom Eingang und wird von den Standbildern Cellinis und Aretinos bewacht. Lustig: Hier ist die Schlage länger als am Haupteingang. Doch schon nach wenigen Minuten halte ich die begehrten Tickets in der Hand. Preis: 8 €, Online-Gebühr: 4 €. Zeit: 11.15 – 11.30. In diesem Zeitraum soll man sich am Eingang einfinden. Dass dieses System funktioniert, beweist die nicht vorhandene Schlange.

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Die Uffizien in Florenz

Im Hof vor den Uffizien kann man die Künstler der Neuzeit bewundern. Standbilder alter Meister schauen ihnen über die Schulter, wie sie von Touristen Karikaturen zeichnen. Aber es gibt auch Gemälde von Florenz. „Originale“ verspricht ein Aufkleber. Neben einer Staffelei mit Kunstwerken steht ein junger David. Nicht nackt, sondern in einem Tarnanzug, ein großes Automatikgewehr in der Hand. Auf dem Hof parkt sein Auto: ein schweres gepanzertes IVECO-Militärfahrzeug, ebenfalls in Tarnfarben. Der Terror fordert seinen Tribut. Die Uffizien sind ein ganz besonderes, weltbekanntes Kleinod von Florenz und damit gefährdet. Entsprechend müssen die Besucher vor dem Eintreten in die heiligen Hallen erst einmal einen Metalldetektor überwinden. Ich habe Zeit, mir die Sicherheitsschleuse näher anzusehen. Denn hinter mir ist – kaum zu fassen – niemand.

Uffizien

Ein langer Gang, in den links Säle münden.

Uffizien

Götterbote Heremes checkt seine Mails auf seinem Smartphone.

FKK-Schönlinge in den Uffizien

Es geht eine lange Treppe hinauf – dann stehen wir im scheinbar endlosen Gang, den man in Reiseführern so oft sieht. Die Decke ist reich verziert, die Wände werden von Skulpturen gesäumt. Rechts ist die Fensterfront, links geht es hinein in einzelne Säle. Themen für die Künstler gab es reichlich: die Bibel. Oder wenn das irgendwann zu langweilig wurde: die griechische Mythologie.

Ab und zu sieht man Schilder neben den Werken, die freundlich darauf hinweisen, dass dieses Kunstwerk dank den „Friends of Florence“ restauriert worden ist. Manchmal ergänzt um persönlich Widmungen. „With a major gift by Bonnie and Thomas Strauss in Honor of Ellie and Edgar Cullman Jr.“ steht da zum Beispiel beim guten alten Julius Caesar, der einst über den Gallischen Krieg berichtete. Hermes, der Götterbote, steht lässig als FKK-Schönling herum und schaut auf etwas in seiner Hand, wahrscheinlich sein Smartphone. Herkules ringt mit Nessus. Und Titus schaut mürrisch ins Leere. Am Wetter kann’s nicht liegen, das ist wunderbar.

Uffizien

Blick in die Schatzkammer der Uffizien: die Tribuna.

Ein seltsamer Neuzugang in den Uffizien

Unter den antiken Werken hat sich heimlich ein Neuzugang gemischt: eine goldene Skulptur von Jan Fabre. Ich sehe einen Männerkopf mit den gewaltigen gebogenen Hörnern eines Bocks. Das Ding sieht schrecklich aus –  aber das liegt wie immer bei Kunst wohl im Auge des Betrachters. Immerhin hat der Goldklumpen den positiven Effekt, dass die alten Werke der anderen Künstler nun umso heller strahlen.

Unser Glück hält nicht an, die erste lange Schlange hat sich gebildet. Natürlich vor der Tribuna, dem vielleicht eindrucksvollsten Raum in den Uffizien. Der Architekt Bernardo Buontalenti hatte bei der Tribuna die Idee, die ganze Welt in einem Raum abzubilden. Die Dekoration greift die vier Elemente auf: Feuer, Wasser, Luft und Erde. Dazu wird das Beste vom Besten aufgefahren. Die Tribuna zeigt das, worauf die Medici besonders stolz waren. Es dauert eine Weile, bis wir an der Reihe sind und gefühlte 59 Sekunden lang einen Blick in den Raum werfen können.

Uffizien

Alles andere überspringen?

Das Problem der Uffizien

Hier kristallisiert sich das Problem der Uffizien heraus: Es gibt in zu wenig Zeit zu viel zu sehen. Ausgerechnet ein Deutscher ist von der Regierung berufen worden, hier neue Antworten zu finden: Eike Schmidt. Der Kunsthistoriker stammt aus dem Süden Baden-Württembergs, Freiburg im Breisgau. Noch näher kann man Italien von Deutschland aus kaum kommen. Eike Schmidt war das nicht nah genug. Er ging für mehrere Jahre nach Florenz und Blogna und spricht Italienisch. Trotzdem gab es Protest, als er zum Direktor der Uffizien ernannt wurde. Von einer „Demütigung“ war die Rede.

Man könnte aber auch von einem klugen Schachzug sprechen, denn der Deutsche steht nicht im Verdacht, in den italienischen Korruptions- und Mafiasumpf verwickelt zu sein. Ein unbelasteter Ausländer soll also schaffen, wozu die Italiener nicht in der Lage scheinen. Eike Schmidts Auftrag: Erneuern Sie die Uffizien. Eine Mission Impossible? Vielleicht, denn hinter dem Konstrukt „Uffizien“ verbergen sich noch immer viele Fragen und Rätsel. Es ist ein Irrgarten mit unklarem Inventar, unklarer Organisation und sogar unklarem Budget. Wieviele Mitarbeiter hat das Museum, wieviel Geld steht pro Jahr bereit? Klare Antworten auf solche zentralen Fragen gibt es nicht. Für einen Deutschen unvorstellbar.

Uffizien

Ein Highlight der Uffizien: die Medusa mit Schlangenhaar. Ihr Anblick lässt jeden Mann zu Stein erstarren. Eine Figur aus der griechischen Mythologie.

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Blick aus dem Fenster auf die Uffizien.

Uffizien

Blick aus dem Fenster auf den Arno und den Ponte Vecchio, die alte Brücke.

Die Geschichte der Uffizien

Was im 16. Jahrhundert als Befreiungsschlag gegen Bürokratie und Komplexität gedacht war, leidet heute wieder an diesen alten italienischen Krankheiten. Alles begann damit, dass Florenz zur Hauptstadt des Fürstentums Toskana wurde. Cosimo I. dei Medici wollte nun alle Ämter unter einem Dach versammeln. 1560 beauftragte er seinen Hofarchitekten Giogio Vasari damit, ein lang gestrecktes Gebäude zu erreichten, das den Palazzo Vecchio mit dem Fluß Arno verbinden sollte. Diese Amtsräume heißen auf Italienisch „Uffici“, der Name „Uffizien“ war geboren.

Cosimo dei Medicis Sohn Francesco hatte wenig Sinn für Politik, liebte aber die Kunst dafür umso mehr. Er hatte die Idee, im letzten Stock des neuen Amtsgebäudes die Kunstsammlung der Medici zusammenzutragen. Der Reichtum der Familie Medici ist legendär: Kostbare Gemälde, Statuen, Wandteppiche, Karten und wissenschaftliche Geräte wurden zu einer prächtigen Ausstellung zusammengestellt. Die Großherzöge von Florenz nutzten die Uffizien fortan als Repräsentationspalast. Gästen stockte der Atem, als sie die geballte Kunst sahen. Die Uffizien waren somit nicht nur ein Bürogebäude, sie waren eine Demonstration von Macht und Reichtum.

Bleibt die Frage, wem der Schatz eigentlich heute gehört. Den Medicis? Nein, denn die letzte Medici hat im 18. Jahrhundert alles der Stadt Florenz vermacht. Anna Maria Luisa dei Medici hielt im sogenannten „Familienvertrag“ fest, dass alle Kunstwerke nun Florenz gehören sollen. Ganz schön großzügig.

Die Uffizien umkrempeln

Weiter geht es auf dem großen Rundweg. Vorbei an Bildern, Skulpturen, Schätzen und Ikonen. Eike Schmidt hatte angekündigt, weniger zeigen zu wollen. Er wolle die Uffizien umkrempeln, hatte er gesagt. Den einzelnen Meisterwerken wolle er mehr Raum geben und somit konzentrierte Aufmerksamkeit verschaffen. Man müsse neue Wege gehen. Nicht nur im übertragenen Sinne, sondern ganz praktisch. Der Rundgang sei ein Auslaufmodell.

Diese Feststellungen sind nun schon einige Monate her. Noch merkt man nichts von den Veränderungen. Von Jan Fabres goldener Skulptur mal abgesehen. Sicher, große Veränderungen brauchen ihre Zeit. Und wer kann schon die Widerstände erahnen, auf die Eike Schmidt intern und extern stoßen mag. Es ist ein Irrgarten. Und man muss schon eine Kettensäge sein, um bereits nach wenigen Monaten den Durchblick zu haben.

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Herzogpaar von Urbino

Uff, die Uffizien!

Tatsächlich ist es so, dass meine Aufmerksamkeit nach Piero della Francescas Werk „Bildnisse des Herzogpaares von Urbino“ in ein tiefes Loch fällt. Ja, ja, schön, schön. Und hier noch ein Van der Goes, dort noch ein Bronzino und, ach, da ist sie ja, die „Verkündigung“ von Leonardo da Vinci. „Uff, die Uffizien!“, mag man stöhnen. Kurz gesagt: Es ist einfach zu viel des Guten. Mein Kopf raucht und sehnt sich nach dem Ausgang. Immerhin eine Pause könnte die Caffetteria auf der Sonnenterrasse bringen. Der Ausblick ist spektakulär. Hier draußen hat man vielleicht das schönste Bild vor Augen. Trotzdem gehen wir weiter. Der Kopf ist satt.

Weiter geht es, immer weiter. Unterwegs stoßen wir auf einen alten Bekannten: Laokoon, der mit seinen beiden Söhnen von Schlangen angegriffen wird. Eigentlich steht diese Laokoon-Gruppe im Vatikanischen Museum in Rom. Haben die drei einen kleinen Ausflug nach Florenz unternommen? Als ich später die Gruppe mit einem Foto auf Wikipedia vergleiche, stelle ich fest, dass einige Details anders sind. Das Werk in Florenz scheint eine Kopie zu sein. Laokoon gilt als einziger, der das Trojanische Pferd als Trick durchschaut hatte. Doch die Schutzgöttin der Angreifer, Athene, schickte Schlangen, um ihn zu beseitigen. Sinnbildlich erinnert mich die Darstellung an das Ringen um neue Wege in den Uffizien. Hoffen wir mal, dass Eike Schmidt mehr Erfolg haben wird als Laokoon.

Uffizien

Laokoon. Das Original steht im Vatikanischen Museum.

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Die Sonnenterrasse bietet einen tollen Ausblick und eine Caffetteria.

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Pause gefällig?

Die Geburt der Venus

Am Ende des Rundgangs wird es noch mal richtig interessant. Das Beste zum Schluss: In Sala 10/14 leuchtet uns „Die Geburt der Venus“ von Sandro Botticelli entgegen. Eine Auftragsarbeit der Medici. Die wunderschöne Venus wird von geflügelten Zephyrwinden auf einer Muschel ans Ufer getrieben, wo ihr die Frühlingsgöttin einen Mantel reicht. Vor dem Bild gibt es Sitzmöglichkeiten. Endlich kann man sich in Ruhe in das Werk versenken. Die Geburt der Venus erweist sich in meinem Fall als das Ende der Reizüberflutung. Die Uffizien sind sehr sehenswert – aber auch sehr anstrengend.

Online-Ticket für die Uffizien

Ein Online-Ticket für die Uffizien zu buchen ist im Prinzip nicht schwer. Das Problem ist, die offizielle Website des Museum zu finden. Hier ist sie. Du musst ein Datum und eine Uhrzeit angeben. Die Uhrzeit ist das Zeitfenster, in dem man eintreten darf. Die Tickets werden online gebucht und vor Ort abgeholt. Wo genau, siehst Du auf den folgenden zwei Bildern.

Uffizien

Erst das online gebuchte Ticket bei Punkt 3 abholen und dann bei Punkt 1 zur vereinbarten Uhrzeit eintreten.

Uffizien

Punkt 3: Hier holst Du Dein Ticket ab.

Uffizien

Das Ticket für die Uffizien.


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2 Kommentare

  1. Hallo Michael,
    schön, das freut mich.
    Ich wünsche viel Vergnügen in den Uffizien.
    Viele Grüße,
    Philipp

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