Reiseapotheke: Deine Checkliste für den Urlaub

Eine Forsa-Umfrage für die Techniker-Krankenkasse hat herausgefunden, dass acht von zehn Urlaubern keine vollständige Reiseapotheke einpacken, wenn sie länger verreisen. Warum das nicht so clever ist und was alles in eine Reiseapotheke gehört, das liest Du hier.

Für jede Reise braucht man auch eine Reiseapotheke. Schließlich ist nicht in jedem Land und in jeder Apotheke nahezu jedes wichtige Medikament verfügbar oder innerhalb weniger Stunden lieferbar. Du ersparst Dir viel Mühe, Zeit und Nerven, wenn Du Deine Medikamente schon vor der Reise besorgst. Schließlich willst Du Deinen Urlaub doch nicht mit der Suche nach einem Medikament verbringen. Hinzu kommt, dass außerhalb Europas auch gefälschte oder gepanschte Arzneimittel im Umlauf sind, vor allem in Asien und Afrika. Das kann dann mehr schaden als nutzen.

Also: Stell Dir Deine individuelle Apotheke lieber in Ruhe vor der Reise zusammen und lass Dich auf keine Experimente ein. Wie Deine Reiseapotheke konkret aussieht hängt von drei Faktoren ab: Dir selbst (Diabetiker? Allergiker?), Deinem Reiseziel (Afrika? Asien? Europa?) und Deiner Reiseart (Strandurlaub? Abenteuerurlaub?).

Reiseapotheke: Brauch ich das?

Ich weiß, eigentlich denkt man: Okay, Schwierigkeiten könnte es vielleicht bei speziellen Medikamenten geben, aber mein Medikament ist so grundlegend, dass es sicher überall auf der Welt ständig auf Lager ist. Wie irreführend dieser Gedanke ist, musste ich selbst erleben. Zwar nicht bei einem Medikament, aber immerhin bei einem Artikel, den man für ähnlich verbreitet hält wie eine Kopfschmerztablette.

Auf den Seychellen rollte eine außergewöhnlich große Welle über mich hinweg. Obwohl ich sie kommen sah und rechtzeitig hochsprang, war die Welle einfach zu gewaltig und riss mich nach hinten, so dass ich meine Cap und meine Sonnenbrille verlor. Ich stand vor der Entscheidung: Welchem von beiden tauche ich jetzt hinterher? Ich rettete erst meine Cap. Meine Sonnenbrille konnte ich – trotz intensiver Suche – nicht mehr finden. Nun dachte ich, dass es kein Problem wäre, auf den Seychellen eine neue Sonnenbrille zu finden. Klar, das kann doch kein Problem sein, an jeder Ecke muss es welche geben. Falsch gedacht! Zum einen war gerade Wochenende und dann kam auch noch ein Feiertag. Unfassbar, aber wahr: Ich hatte allergrößte Schwierigkeiten, eine Sonnenbrille zu bekommen.

Mit Medikamenten kann das genauso sein. Man denkt: Hallo, Kopfschmerztabletten muss es doch überall auf Lager geben. Aber vor Ort sieht die Sache dann vielleicht ganz anders aus. Deshalb mein Rat: Setze nichts als selbstverständlich voraus. Decke Dich lieber vor der Reise mit allen notwendigen Medikamenten ein und stell’ für jede Reise Deine individuelle Reiseapotheke zusammen.

Reiseapotheke: Deine Checkliste.

An erster Stelle stehen alle Medikamente, die Du regelmäßig einnimmst. Prüfe, ob die vorhandene Packung für die Reise ausreichend ist.

Impfung
Ist das Gebiet, in das Du reist, zum Beispiel ein Malariagebiet? Dein Hausarzt kann Dich sicher beraten. Auch das Auswärtige Amt in Berlin informiert für jedes Land über die Gesundheitsrisiken. Grundsätzlich ist es gut, eine anstehende Reise zum Anlass zu nehmen, mal wieder in seinen Impfpass zu schauen. Nicht, dass Du plötzlich überrascht feststellst, dass der Impfpass schon seit zwei Jahren abgelaufen ist und für Deine Einreise zwingend eine Impfung erforderlich ist. Weitere Informationen bekommst Du auch bei der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit.

Insektenschutz
Mein Thema Nummer 1 bei Reisen in heiße Regionen, in denen sich die kleinen, lästigen Blutsauger wohl fühlen: Insektenschutz, auch „Repellentien“ genannt (Insekten abweisende Mittel). Auf den Malediven zum Beispiel musste ich mich durch die verschiedensten Insektenschutzmittel durchprobieren, bis ich endlich eine gute Lösung fand. Die hieß zum einen Umzug in einen Wasserbungalow (in Bäumen gibt es viele Insekten, auf dem Wasser nicht) und „Good Knight“. Das ist ein kleines Gerät, das nachts in eine Steckdose gesteckt wird und ein Plättchen verdampft, dessen Geruch Insekten fern hält. Für die Nacht halte ich diese Lösung noch immer für sehr gut.

Ein zuverlässiger Schutz vor Insektenstichen ist vor allem in Gebieten wichtig, in denen zum Beispiel Malaria, Gelbfieber, Dengue-Fieber oder die japanische Enzephalitis verbreitet sind. Falls Du doch von einem Insekt gestochen worden bist, hilft oft ein juckreizstillendes Gel. Neuerdings gibt es auch ein elektrisches Gerät, den Bite Away, zur äußeren Behandlung von Insektenstichen und –bissen. Durch kurze, konzentrierte Wärme auf dem Stich (51 Grad) wird der Juckreiz beseitigt. Hier findest Du zuverlässigen Schutz vor Insektenstichen.

Sonnenschutz

Urlaub im Hotelzimmer – Sonnenbrand macht’s möglich“ hieß es in einer Kampagne für die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e.V.. Das heißt: Vergiss nicht, Sonnencreme mit einem hohen Sonnenschutzfaktor einzupacken. So beugst Du auch möglichen Langzeitfolgen wie Hautkrebs vor.

Wer in der Sonne wandert, sollte über eine Kopfbedeckung nachdenken. Beim Tauchen und Schnorcheln brennt die Sonne unbemerkt auf den Rücken. Deshalb gehst Du am besten mit einem hellen Shirt ins Wasser. Einen Sonnenbrand holt man sich schneller, als man denkt. Deshalb solltest Du auch für den Fall der Fälle eine kühlende Salbe in Deine Reiseapotheke aufnehmen. Bei leichten Verbrennungen helfen Apres-Creme oder ein Antihistaminikum. Bei ausgeprägten Rötungen hilft kurzfristig eine dünne Kortison-Creme. Ganz wichtig: Sonnenbrille nicht vergessen.

Reiseapotheke: Was brauche ich?

Verschreibungspflichtige Medikamente
Danke daran, Dir von Deinem Arzt bescheinigen zu lassen, dass Du das Medikament verschrieben bekommen hast. Am besten auf Englisch. Sonst stehst Du am Ende in der Apotheke, das Medikament ist auf Lager, aber Du bekommst es nicht, weil Du keine ärztliche Bescheinigung vorlegen kannst. Das wäre ärgerlich.

Wichtige Dokumente
Neben der ärztlichen Bescheinigung sind außerdem wichtig: Versichertenkarte, Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) oder Auslandskrankenschein und Dein Impfausweis.

Verbandsmaterial
Pflaster, sterile Kompressen, Mullbinden, elastische Binden, Klebeband, Einweghandschuhe, Schere, Pinzette sowie Sicherheitsnadel zum Fixieren, Desinfektionsmittel, Dreieckstuch.

Fieberthermometer
nicht aus Glas, weil leicht zerbrechlich.

Ohrentropfen
Zum Beispiel für den Taucherurlaub.

Fieber- und Schmerzmittel
Denke zum Beispiel an Kopfschmerzen, Zahnschmerzen und Gliederschmerzen. In Regionen, in denen zu Blutungen führende hämorrhagische Fieber vorkommen können (z.B. Dengue-Fieber, Gelbfieber), sind blutverdünnende Stoffe wie Acetylsalicylsäure oder Diclofenac ungeeignet. Besser: Paracetamol.

Reiseapotheke: Was brauche ich noch?

Durchfallmittel
Einem Durchfall kann man vorbeugen, indem man streng auf die Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene achtet. Ägypten etwa ist das Paradebeispiel für ein Land, in dem man schnell ein Problem mit der Verdauung bekommen kann. Der Wirkstoff Loperamid stoppt den Durchfall sofort. Jedoch ist Loperamid nur sinnvoll, um den gefährlichen Wasserverlust zu bremsen oder um einen Flug zu überstehen. Das Mittel stellt den Darm ruhig, wirkt aber nicht gegen die Durchfallursache. Kinder unter zwei Jahren dürfen Loperamid nicht bekommen. Das Gleiche gilt für Schwangere oder Stillende.

Cola und Salzstangen? Hilft leider nicht und kann den Durchfall sogar noch verschlimmern. Wichtigste Maßnahme bei Durchfall: Wasser und Salze ersetzen. Zum Beispiel mit Elektrolytmischungen zum Auflösen.

Mittel gegen Reiseübelkeit
Hier helfen zum Beispiel Mittel mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat. Es gibt Kaugummipräparate, die allerdings auch schnell müde machen. Ausnahme: Scopolamin. Dieses Mittel ist verschreibungspflichtig und wird als Pflaster auf die Haut geklebt.

Salbe gegen Entzündungen
und Aufschürfungen (Wund- und Heilsalbe).

Medikamente gegen Schnupfen
Viele Hotels, Flughäfen, Restaurants und auch Busse und Taxis sind mit Klimaanlagen ausgerüstet. Hier kann man sich leicht erkälten. Das klingt harmlos, ist es aber nicht, wenn man fliegt. Denn wenn man Schnupfen oder eine Nasennebenhöhlen-Entzündung hat, kann man auf dem Flug womöglich keinen Druckausgleich mehr machen. Wenn es dumm läuft, kommt es auf diese Weise zu Ohrenschmerzen und Innenohrschäden. Beim Start fühlt man noch kaum etwas, aber bei der Landung umso heftiger.

Ich spreche aus Erfahrung. Statt eine Erkältung auszukurieren, flog in zu einem wichtigen Termin nach München. Im Nachhinein ein Fehler, denn die Ohrenschmerzen bei der Landung waren wirklich unangenehm und mein Hörvermögen an diesem Tag vermindert. Eine Erfahrung, die man sich ersparen sollte. Was hilft? Ich würde sagen: vor allem Nasenspray. Beim Landeanflug kann ich außerdem Fisherman’s Friend Bonbons empfehlen. Kaugummi ist auch nicht schlecht. Ein weit aufgerissener, gähnender Mund hilft ebenfalls beim Druckausgleich. Es gibt auch spezielle Ohrenstöpsel. Ich habe sie ausprobiert und sie haben mir keinen spürbaren Vorteil gebracht. Das Nasespray hilft viel besser.

Medikamente gegen Verstopfung
Vorbeugen heißt die Devise: genügend trinken und Obst essen. Wenn das nichts hilft, kann man ein mildes Abführmittel nutzen.

Reiseapotheke: wichtig zu wissen

Bei Kindern zu beachten
Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte bei jedem Punkt hinterfragen, ob die Kids ein eigenes Mittel brauchen.

Verfallsdatum und Lagerhinweise
Kontrolliere jeweils, ob das eingepackte Medikament noch haltbar ist und wie Du es lagern musst. Es kann durchaus sein, dass Du manche Medikamente kühl und trocken lagern musst, damit es nicht seine Wirksamkeit verliert.

Versicherungsschutz
Erkundige Dich auch rechtzeitig, wie Du versichert bist, wenn Du ärztlich behandelt oder sogar zurück in die Heimat transportiert werden musst. Es gibt eigene Versicherungen zum Auslandskrankenschutz mit Rücktransport. Frage Deine Krankenkasse, wie die Regelung mit Auslandskrankenscheinen in Deinem Reiseland aussieht.

So, ich hoffe, Du hast einige hilfreiche Punkte finden können. Da ich kein Arzt bin, kann ich Dir nur einige Hinweise an die Hand geben. Am besten, Du sprichst bei Fragen Deinen Hausarzt an oder erkundigst Dich in Deiner Apotheke. Also, viel Spaß auf der Reise und: Bleib gesund!


Hier geht die Reise weiter.

6 Kommentare

  1. Die Reiseapotheke sollte wirklich sorgfältig geplant werden. Als ich letztes Jahr in Thailand war und mich eine Erkältung plagte, musste ich ein Nasenspray besorgen. Stellte sich nicht gerade als einfach hinaus, dazu kommt noch die Sprachbarriere.
    Danke für den ausführlichen Bericht, sehr hilfreich.

    Liebe Grüße,

    Viktoria

  2. Die Sonnenschutzcreme sollte auf keinen Fall in Ihrer Reiseapotheke fehlen! Auch wenn die Sonne nicht den ganzen Tag scheint, kann Ihre Haut einen Sonnenbrand bekommen. Ein Sonnenbrand in den Ferien ist natürlich sehr ärgerlich.

  3. Da ich bald verreise, packe ich gerade meine Reiseapotheke zusammen. Wirklich schön zu lesen, dass man auf eine ausreichende Anzahl an Medikamenten achten sollte, wenn eine tägliche Einnahme wichtig ist. Am besten wende ich mich an eine Apotheke, um mehr Beratung zu haben.

  4. Vielen Dank für den Artikel! Ich reise bald nach Indien und mache mir etwas Sorgen um meine empfindliche Verdauung. Daher ist es gut zu wissen, dass ich Durchfallmittel und Elektrolyte einpacken sollte. Ich werde mich dazu wohl in einer Apotheke beraten lassen.

  5. Mein Sohn hat gelegentlich Zahnfleischschmerzen. Gut war daher zu lesen, dass Schmerzmittel in einer Reiseapotheke nicht fehlen sollten. Ich werde einen Zahnarzt um weitere Beratung fragen.

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