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Gefährliche Wanderung zum Kreidefelsen

Stell Dir vor, Du stehst nachts an einem über 100 Meter hohen Abhang und blickst hinüber zu den weißen Kreidefelsen auf Rügen, die fast senkrecht zum Strand abfallen. Der Mond ist aufgegangen und spiegelt sich auf dem Wasser der Ostsee. Unaufhörlich schwappen niedrige Wellen an den Strand. Bis auf die Brandung der Wellen ist es ganz still und friedlich. Nur ab und zu knackt es weit entfernt im Gebüsch, vielleicht ein Reh oder ein Hase. Dann passiert es: Der Abhang, auf dem Du stehst, bricht ab. Bäume ächzen, Felsen rollen, die Erde öffnet sich. Wie in Zeitlupe löst sich der Abhang vom Kliff und stürzt mit Dir in die Tiefe. Als der Koloss am Strand aufschlägt, zersplittern die Bäume wie Zahnstocher. Der ohrenbetäubende Aufprall ist Kilometerweit zu hören. Diese Szene fand tatsächlich statt – aber zum Glück ohne Dich. Die Kreidefelsen von Rügen. In der Nacht des 24. Februars 2005 stürzten 50.000 Kubikmeter Kreide auf den Strand. Die Küstenlinie war kaum mehr wiederzuerkennen. Der dramatische Abbruch der Wissower Klinken lag zum einen an der Meeresbrandung, die …