Leipzig
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Völkerschlacht bei Leipzig: Leuchtturm des Friedens

Völkerschlacht bei Leipzig: Leuchtturm des Friedens

Die Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 gilt als bis dahin größte und blutigste Schlacht der Geschichte. Preußen, Österreich, Russland und Schweden hatten sich miteinander verbündet, um die Herrschaft Napoleon Bonapartes über Europa zu brechen. Noch heute erinnert das Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig an die Tage, in denen das Gebiet in Blut und Schrecken versank. Wir haben das Denkmal besucht.

Als das Völkerschlachtdenkmal am Horizont auftaucht, komme ich mir vor wie in einem Hollywood-Film von Michael Bay (Transformers). Dieses gigantische Bauwerk, das sich wie eine Pyramide in den Himmel schraubt, wirkt irgendwie unwirklich. So etwas Gewaltiges kann es doch gar nicht geben! Es sieht aus wie nicht von dieser Welt. Und doch: Beim Näherkommen wird mir klar, dass dieses Monument sehr real ist. Auf der Plattform ganz oben bewegen sich kleine Pünktchen hin und her – das müssen die Köpfe der Besucher sein.

Denkmalpflege für 30 Millionen Euro

Vor dem Völkerschlachtdenkmal ist gerade eine Baustelle: Das große Wasserbecken wird noch über ein Jahr lang saniert. Kosten: rund 2,4 Millionen Euro. Klar: riesiges Denkmal, riesige Kosten. Wenn das Wasserbecken hergerichtet ist, geht es mit den Außentreppen weiter. Eigentlich sollte schon dieses Jahr alles fertig renoviert sein, aber wie das immer so ist mit Bauarbeiten: Am Ende dauert es länger und kostet mehr. Alles in allem 30 Millionen Euro. Hoppla, ich bin auf den Eintrittspreis gespannt.

Übrigens: Rechnet man die alten Markbeträge von früher um, dann hätte der Bau des Denkmals etwa diesen Betrag gekostet: 30 Millionen Euro. Mit anderen Worten: Die Renovierung des Völkerschlachtdenkmals ist genauso teuer wie damals der komplette Bau gekostet hat. Starker Wind kommt auf und schiebt dunkle Wolken über das Denkmal. Fehlt nur noch Regen.

Völkerschlacht bei Leipzig: Leuchtturm des Friedens

Völkerschlacht bei Leipzig: historischer Hintergrund

Wir laufen am Wasserbecken vorbei. Das dauert etwas, denn das Becken ist 162 Meter lang. Es ist ein Symbol, ein “See der Tränen” für die gefallenen Soldaten. Kurz zum geschichtlichen Hintergrund: Napoleon war mit seiner Armee 1812/1813 gegen Russland marschiert und gescheitert. Weniger an den russischen Soldaten als vielmehr am russischen Winter. So hatte sich gezeigt, dass der gefürchtete Feldherr, der Europa damals beherrschte, doch nicht unbesiegbar war. Als seine Armee aus Russland in einem desolaten Zustand zurückkehrte, war das das Signal für die anderen europäischen Staaten, den Aufstand zu wagen und einen Befreiungskrieg anzuzetteln. Preußen, Österreich, Russland und Schweden zogen in den Krieg.

Anfangs schien es gar nicht schlecht zu stehen für Napoleon. Aber er macht den Fehler, lange nicht daran glauben zu wollen, dass auch Österreich gegen ihn ins Feld zog. Schließlich war der österreichische Kaiser Franz sein Schwiegervater. Der österreichische Außenminister Metternich hatte die Eheschließung zwischen Napoleon und Marie Louise, der Tochter der Kaisers, arrangiert. Nun zog also sogar sein Schwiegervater gegen ihn ins Feld.

Die Schlacht wütete drei Tage lang. Anfangs war Napoleon seinen Gegnern zahlenmäßig überlegen, aber seine Soldaten waren zu großen Teilen jung, unerfahren und in aller Eile ausgebildet worden. Zudem waren im Russlandfeldzug viele seiner Pferd verendet. Die andere Seite dagegen konnte am dritten Tag ein großes Kontingent an frischen Kräften heranführen. So wurden die Franzosen am Ende geschlagen.

Vor den Toren Leipzigs stießen 600.000 Soldaten aufeinander. Die Schlacht gilt daher als wahrscheinlich größte Schlacht der Weltgeschichte – vor dem Ersten Weltkrieg. Man geht davon aus, dass rund 90.000 bis 120.000 Soldaten getötet worden sind.

Erzengel Michael am Eingang

Auf der linken Seite des Völkerschlachtdenkmals gibt es ein Ticketoffice. Stolze 8 € zahlt ein Erwachsener, wenn er das Denkmal und das Museum auf der gegenüberliegenden Seite besichtigen möchte (detaillierte Infos zu den Tickets gebe ich am Ende des Artikels). Irgendwie muss man die 30 Millionen Euro ja wieder hereinbekommen. Wir kaufen unsere Tickets und gehen zum Eingang, der sich in der Mitte des Denkmals befindet. Eigentlich habe ich ein riesiges Tor erwartet. So groß wie in “Herr der Ringe” etwa. Statt dessen ist der Eingang klein wie eine Haustüre. Darüber wacht – nun wieder riesig – Erzengel Michael, der Schutzpatron der Soldaten. Über seiner Skulptur steht “Gott mit uns”.

Wir zeigen unsere Tickets bei einer uniformierten Dame vor und dürfen passieren. Innen kommen wir an der Büste von Clemens Thieme vorbei, dem Erbauer des Völkerschlachtdenkmals. Es sieht alles sehr gut renoviert aus. Angst, dass hier etwas einstürzen könnte, haben wir nicht. Sogar einen Aufzug gibt es. Erste Station ist der erste Stock: “Besucherinformation”. Es gibt einen 15 Minuten langen Film, der uns die Geschichte des Völkerschlachtdenkmals nahebringen soll. Leider erweist sich der Film als alles andere als informativ.

Die Damen und Herren vom Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig haben nämlich vergessen, einen Sprecher über die Bilder zu legen. Es werden zwar zu dramatischer Musik immer wieder Jahreszahlen eingeblendet, aber was das alles bedeuten soll, das wird nicht erklärt. Vermutlich, um internationale Gäste nicht mit einem deutschen Sprecher zu verwirren. Auf die Idee, englische Untertitel zu verwenden, ist offenbar niemand gekommen. “Denk mal!”, möchte man den Filmemachern zurufen. So hat der Film den Informationsgehalt eines leeren Buchs. Schade, denn genau das ist die Aufgabe des Völkerschlachtdenkmals: Es soll eine Geschichte darüber erzählen, wie unsagbar schrecklich Krieg und wie wichtig Frieden ist. Aber ganz ohne Worte ist diese Geschichte nur halb so eindringlich.

Völkerschlacht bei Leipzig: Leuchtturm des Friedens

Krypta und Ruhmeshalle

Wir fahren mit dem Aufzug in die Krypta. Sie symbolisiert das Grab der rund 100.000 Soldaten. An den Wänden sind Krieger dargestellt, die über die Gefallenen wachen sollen. Weiter oben befindet sich die Ruhmeshalle. Hier sind 324 nahezu lebensgroße Reiter dargestellt. Vier 9,5 Meter hohe Statuen sind als Totenwächter installiert. Sie symbolisieren die Tugenden der Deutschen in den Befreiungskriegen gegen Napoleon: Tapferkeit, Glaubensstärke, Volkskraft und Opferbereitschaft. Was “Volkskraft” sein soll, kann ich  mir nicht so richtig erklären.

Geschaffen hat die Totenwächter der Bildhauer Franz Metzner. Dabei hat er sich die altägyptischen Memnonsäulen bei Theben zum Vorbild genommen. Das passt, denn auch insgesamt erinnert mich das Ganze an eine ägyptische Pyramide.

Die Rache des Aufzugs

Während man sich in ägyptischen Pyramiden vor dem Fluch des Pharaos vorsehen muss, so muss man sich hier vor der Rache des Aufzugs in acht nehmen. Der fährt nämlich nur, wenn er will. Und schließt sich schneller, als du “Hilfe” rufen kannst. Mutig stelle ich mich den Metalltüren in den Weg, die sich von beiden Seiten um mich schließen. Nur äußerst widerwillig erinnern sie sich daran, dass sie Menschen nicht zerquetschen dürfen und weichen ruckend vor mir zurück. Optimal ist das nicht.

Wer ganz nach oben auf die obere Aussichtsplattform möchte, muss mit dem Aufzug zur Sängergalerie fahren und von dort nach oben steigen. Aus einer Höhe von 91 Metern kann man Leipzig und das Umland überblicken.

Als wir das Völkerschlachtdenkmal hinter uns gelassen haben und ich noch einmal zurückschaue, warte ich darauf, dass sich das Monument wie ein außerirdisches Raumschiff erhebt und in den Himmel davon schwebt. Es wirkt wieder unwirklich und wie von Michael Bay inszeniert. Was bleibt ist eine unheimliche Begegnung mit einem der blutigsten Kapitel der Menschheit. Ein Monument für die Ewigkeit. Eine steinerne Mahnung gegen den Krieg. Ein Leuchtturm für den Frieden, der hoffentlich noch von vielen Menschen besucht wird.

Völkerschlacht bei Leipzig: Leuchtturm des Friedens

Völkerschlachtdenkmal: Gut zu wissen

Öffnungzeiten Völkerschlachtdenkmal Leipzig:
April – Oktober, täglich 10 – 18 Uhr.
November – März, täglich 10 – 16 Uhr.

Verkehrsanbindung:
Adresse: Strasse des 18. Oktober 100, 04299 Leipzig
Parken: vor dem Denkmal.
Straßenbahn 2 und 15, Haltestelle Völkerschlachtdenkmal.
S-Bahn S1 und S4

Eintritt Völkerschlachtdenkmal:

Erwachsene: 8 €
Erwachsene ermäßigt*: 6 €
Familienkarte**: 16 €
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre: 6 €
Schulklassen je Schüler: 1 €
Führungszuschlag für Schulklassen: 30 €
Führungszuschlag für Gruppen (Erwachsene): 60 €
Kinder bis 6 Jahre frei

Ermäßigung für Inhaber des Leipzig-Passes:
Erwachsene: 4 €

* Ermäßigung erhalten: Schüler/innen, Auszubildende, Studenten, Wehr- und Zivildienstleistende, Schwerbehinderte nach §2, Abs. 2 Sozialgesetzbuch (IX) bei einem Behindertengrad ab 50% mit einem entsprechendem Ausweis
** Zwei Erwachsene mit ein bis fünf Kindern unter 18 Jahren

Führungen: donnerstags um 14 Uhr und auf Anmeldung (Telefon: 03 41/24 16 870

Mehr Infos zum Völkerschlankdenkmal und zur Völkerschlacht bei Leipzig: Wikipedia


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