Relativ großartig: zu Besuch bei Einstein

Vor 100 Jahren vollendete Albert Einstein in Berlin die Allgemeine Relativitätstheorie. Grund genug, mal bei ihm vorbeizuschauen. Also, auf zum Einsteinhaus!

Wer auf Einsteins Spuren wandert, spaziert dabei häufig durch die Natur. Zum Einsteinhaus in Caputh etwa gelangt man durch den Forst Potsdam Süd, der an den Templiner See angrenzt. Der Europäische Fernwanderweg 11 führt geradewegs zu Einsteins Sommerresidenz. Es ist November und der Weg ist vollständig mit dichtem Laub bedeckt. Die Luft ist feucht und kühl. Ab und zu prasselt ein leichter Regenschauer herab. Hier, etwa 50 Kilometer südwestlich von Berlin in der Gemeinde Schwielowsee im Landkreis Potsdam-Mittelmark von Brandenburg und Lichtjahre entfernt von Verpflichtungen und Konventionen, konnte Einstein in Ruhe nachdenken. Nicht nur über die Physik, sondern auch über Gott und die Welt, über Politik, Philosophie und Religion. Von Caputh aus tauschte sich Einstein über Briefe mit zahlreichen Vordenkern seiner Zeit aus. Zum Beispiel mit Mahatma Gandhi oder Sigmund Freud. Der Maler Max Liebermann war in Einsteins Haus ebenso zu Gast wie der Schriftsteller Arnold Zweig, der Nobelpreisträger für Literatur Rabindranath Tagore oder der Dirigent Erich Kleiber.

Ein Gedankengang zum Einsteinhaus

Einstein liebte es, hier durch die Natur zu spazieren. Seine „Gedankengänge“ fanden auf diese Weise nicht nur im Kopf statt. Ich betrachte die Bäume, die den Weg flankieren. Sie sind alte Bekannte von Einstein, kannten ihn gut und haben ihm zugesehen, wenn er wieder einmal gedankenversunken durch den Wald wanderte. Schon bald stehe ich vor einem anderen alten Bekannten Einsteins: dem Templiner See. Einstein war ein begeisterter Segler. Am 14. März 1929 schenken ihm Freunde zu seinem 50. Geburtstag ein eigenes Segelboot. Einen 20er Jollenkreuzer mit dem Namen „Tümmler“. Der Wissenschaftler verbrachte viel Zeit auf dem See, unerreichbar für unerwünschte Besucher, vor denen es ihm so grauste.

Rast in der Braumanufaktur Forsthaus Templin

Hinter der Templiner Eisenbahnbrücke erreiche ich das Forsthaus Templin. Als Einstein hier lebte, war die Braumanufaktur bereits seit 100 Jahren im Geschäft. In den 30er Jahren gab es hier bis zu 4.000 Sitzplätze. Gut möglich also, dass auch Albert Einstein im Forsthaus zu Gast war. Das Besondere am Forsthaus Templin: Hier gibt es selbst gebrautes Bio Bier. Ich nehme direkt neben dem Braukessel Platz und bestelle ein Potsdamer Stangenbier, was der Kellner wohlwollend zur Kenntnis nimmt. Wer etwas anderes als Bier bestellt, muss erst einmal mit Protest rechnen. Hier ist man stolz auf sein Bier. Und das völlig zu Recht, wie sich herausstellt. Selten ein so gutes Bier getrunken! Also, ein Hoch auf Albert Einstein und seine Relativitätstheorie! Auch das Essen überzeugt. Durch eine glückliche Fügung sind gerade Wildwochen und so komme ich in den Genuss von Wildgulasch nach Forsthausart mit Rotkohl und hausgemachte Kartoffelklößen. Wirklich sehr empfehlenswert.

In diesem Film gibt es interessante Einblicke in das Einsteinhaus.



Das Einsteinhaus in Caputh

Nach einem kurzen Verdauungsspaziergang, immer weiter südlich auf dem Fernwanderweg 11, liegt es schließlich vor mir: das Einsteinhaus in Caputh. Ein weinrot gestrichenes Holzhaus im Stil eines Blockhauses. Das Einsteinhaus liegt auf einer Anhöhe am Waldrand, nur 10 Minuten vom Bootssteg am Templiner See entfernt. Ursprünglich hatte der Architekt Konrad Wachsmann ein Flachdach im Kopf, aber Einstein gefiel das nicht. So wurde das Flachdach zu einer großen Terrasse umfunktioniert. Die Zimmer sind nach den Vorgaben der Einsteins eher klein gehalten und Einsteins Zimmer liegt weit ab von allen anderen. Zum einen, damit er in Ruhe arbeiten konnte. Zum anderen, damit die Familie in Ruhe schlafen konnte – Einstein hat laut geschnarcht.

Einstein, der Wandervogel

Der geniale Wissenschaftler war sein Leben lang nirgends richtig zu Hause. Sich selbst bezeichnete er als „Wandervogel“. Nur ein einziges Mal hat Einstein sich ein festes Heim gebaut. Eben hier in Caputh. Nirgends soll er sich wohler und entspannter gefühlt haben. Einstein selbst sprach von einem „Paradies“ und seinem „Häusle“ (Einstein war gebürtiger Ulmer). Obwohl das Anwesen als Sommerhaus konzipiert war, verbrachte Einstein fast das ganze Jahr über hier, von 1929 bis 1933.

Sei ein gutes faules Tier. Streck alle Viere weit von Dir. Komm nach Caputh, pfeif auf die Welt. Und auf Papa, wenn Dirs gefällt.

Albert Einstein 1931 in einem Brief an seinen Sohn Eduard 

Wie kam es eigentlich dazu, dass Einstein von Berlin hinaus nach Caputh zog? Ursprünglich hatte der Berliner Bürgermeister Gustav Böss Einstein zu seinem 50. Geburtstag im Namen der Stadt ein Grundstück am Wasser schenken wollen. Schließlich war Einstein seit dem 9. November 1922 Nobelpreisträger der Physik. Ein Mann, der mit seiner Forschung die Sicht auf die Welt geändert hatte. Doch leider wurde nichts aus diesem Geschenk. Denn Einstein war Jude und vielen Nazis ein Dorn im Auge. Sie protestierten gegen die Schenkung. Das führte dazu, dass Einstein das Geschenk zweimal ablehnte und Grundstück und Hausbau schließlich selbst bezahlte.


Hier ein Film, der Einsteins Relativitätstheorie ganz einfach erklärt:



Einstein-Dauerausstellung in Caputh

Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 gab Einstein seine deutsche Staatsbürgerschaft auf und ging in die USA. Prompt wurde sein Besitz von den Nationalsozialisten konfisziert. Heute dokumentiert das Einsteinhaus in einer Dauerausstellung das Leben und Wirken des Wissenschaftlers in seiner Caputher Zeit. Zum Beispiel mit  Originaltonaufnahmen von Einstein und einer Computersimulation zur Lichtgeschwindigkeit.
Fazit: So ein Ausflug zum Einsteinhaus nach Caputh ist wirklich relativ großartig. Schau doch auch mal vorbei.

Das Einsteinhaus in Caputh besichtigen

Öffnungszeiten: April bis Oktober,  samstags, sonntags und feiertags, 10-18 Uhr.
Eintrittspreise: 5 € (2,50 € ermäßigt).
Besichtigung nur mit Führung. Die Führungen beginnen zu jeder vollen Stunde.
Letzte Führung 17 Uhr. Bei Gruppen über zehn Personen und bei Sonderführungen wird um Anmeldung gebeten (Tel.: 0331/27178-0, Mo.-Fr. 9-17 Uhr). Weitere Infos zur Besichtigung

Ausstellung im Bürgerhaus, Straße der Einheit 3, 14548 Schwielowsee / OT Caputh, April bis Oktober von Dienstag bis Sonntag, November bis März an Samstag und Sonntag sowie feiertags von 11 bis 17 Uhr. Mehr Infos hier: Einsteins Haus in Caputh

Wegbeschreibung zum Einsteinhaus in Caputh

Mit der S-Bahn nach Potsdam. Dann mit dem Bus 694 zur Haltestelle Alter Tornow. Dem Europäischen Fernwanderweg 11 nach Süden folgen. Hinter der Templiner Eisenbahnbrücke liegt das Forsthaus Templin. Dem Fernwanderweg weiter folgen nach Caputh. Adresse Einsteinhaus: Am Waldrand 15 – 17, 14584 Caputh. Vom Schielowsee Bahnhof in Caputh geht es zurück nach Berlin.

Hier geht die Reise weiter.

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