Alle Artikel in: Palermo

Palermo: zu Besuch bei der Mafia

Palermo City. Der Pate ist eine Patin. Eine kleine, ältere, aber resolute Frau. Sie sitzt aufrecht und hellwach im Außenbereich eines Restaurants und dirigiert das Geschehen. Wohin mit der Cola? Wer hat die Cola bestellt? Wer kassiert Tisch 22 ab? Antonio, hast du den Hund schon ausgeführt? – Ob sie auch Anweisungen anderer Art gibt? Etwa den Befehl, nach Tisch 22 auch das Viertel abzukassieren und den „Pizzo“ einzusammeln, das Schutzgeld? Oder uneinsichtigen Schuldnern „liebe Grüße“ zu überbringen? Wenn man sie so erlebt, wie sie ihre ehrenwerte Familie kommandiert, könnte man sie sich fast als “die Patin” vorstellen. Aber: In der Cosa Nostra gibt es keine Frauen. Zumindest wäre das etwas Neues. Palermo bald ohne Pizzo, das Schutzgeld? Palermo und Mafia – das gehört in der Hauptstadt Siziliens noch so eng zusammen wie Pisa und der Schiefe Turm. Aber es gibt auch Gegenwind. Die Adiopizzo-Bewegung etwa ist der Cosa Nostra ein Dorn im Auge. „Schutzgeld ade“ heißt die Idee, hinter der sich rund 400 Lokale und Geschäfte versammelt haben. Im Tourist-Büro an der Piazza Castelnuovo liegen …

Palermo: Der älteste Feigenbaum Europas erzählt

Ciao, bambino. Schön, dass du mal bei mir in Palermo vorbeischaust. Wie? Du hast den ganzen weiten Weg nach Palermo zum Piazza Marina zurückgelegt nur um mich zu treffen? Mich, deinen Lieblings-Feigenbaum? Dio mio, das ist ja unglaublich! Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll… Weißt du, mein Gedächtnis war auch schon mal besser. Ich bin jetzt 160 Jahre alt. Moment – oder sind es schon 180 Jahre? Schwer zu sagen, ich hab’ irgendwann aufgehört zu zählen. Wir Feigenbäume nehmen’s mit dem Alter nicht so genau. Für mein Alter bin ich aber noch ziemlich gut im Schuss. Ich bin 25 Meter hoch und habe einem Stammumfang von rund 30 Metern. Nicht übel, oder? Vor ein paar Jahren hat das mich mal einer gemessen, das hat so schön in den Ästen gekitzelt. Also, wo fange ich an? Am besten am Anfang, oder? Das erste große Ereignis, an was ich mich erinnern kann, war der Einzug Giuseppe Garibaldis in die Stadt. Das muss um 1860 gewesen sein. Damals war Italien noch keine Einheit, sondern zerfiel in …